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Jacques Derrida sagt über die Übersetzung (sowie auch über die Gerechtigkeit und andere dekonstruierte Begriffe), dass sie sowohl notwendig als auch unmöglich sei. Gleiches gilt auch für Identität und letzten Endes sogar für die Gesellschaft. Gesellschaft ist unmöglich und gerade deshalb notwendig. Ebenso wie die Demokratie.
Wenn, wie aus Lacan zu lesen ist, das Selbst im Anderen nur imaginär ist, also sich z. B. auch die Demokratie in anderen Formen des Regierens nur imaginär spiegelt und sich so nie selbst erkennen kann und wenn es also Ziel sein soll, dieses Imaginäre zu dekonstruieren, was bedeutet das dann für aktuelle Demokratien? Müssen diese Formen des Regierens demontiert werden, um zu ihrem "realen" Sein vorzudringen? Oder sollte das Zusammenspiel der drei Register des Imaginären, Symbolischen und Realen unangetastet bleiben?
Diese und andere Fragen stelle ich mir in meiner Forschung. Bedeutende DenkerInnen sind dabei Jacques Lacan, Jacques Derrida, Ernesto Laclau, Slavoj Zizek, Judith Butler u.a.
EINIGE SCHWERPUNKTE
Politische Philosophie / Poststrukturalismus (Ernesto Laclau, Slavoj Zizek, Judith Butler, Jacques Derrida, Michel Foucault)
Was ist Poststrukturalismus?
Den Poststrukturalismus präzise zu definieren, fällt schwer - so schreiben Münker und Roesler (2000: IX): "Über den Poststrukturalismus schreiben heißt, ihn zu erfinden." Zu differenzieren wäre zum Beispiel der französische Poststrukturalismus von der anglo-amerikanischen und deutschen Rezeption. Auf diese Details einzugehen, würde hier zu weit führen.
Um möglichst eine Diskussion im Forum anzuregen (das Forum erscheint nach der Registrierung), sollen einige Gemeinsamkeiten dieser poststrukturalistischen Strömungen skizziert werd
Poststrukturalistische Ansätze nehmen meist ihren Ausgang von Ferdinand de Saussures Zeichenkonzeption, die zentral darauf beruht, dass jegliche Bedeutung im Sprachsystem differenziell zustande kommt. Dieser Aspekt der Differenzialität besagt, dass die Bedeutung des Zeichens (Kombination von Signifikat/Vorstellung und Signifikant/Lautbild) in der Beziehung zu anderen Zeichen entsteht. Diesen Aspekt der Differenzialität nehmen PoststrukturalistInnen auf, konzipieren aber im Gegensatz zu Saussure das Sprachsystem nicht als Totalität, sondern offen.
Daraus folgt, dass sich das Subjekt im Spiel dieser Bedeutungsketten auflöst - das moderne, essentialistische Subjekt wird von Subjektpositionen abgelöst. Das Subjekt wird über die differentiellen Bedeutungseinheiten in der Sprache konstituiert, also z.B. Mann, weiß, Student etc.
Das Subjekt wird zudem, in Anlehnung an Jacque Lacan, konzipiert als "gespalten". Es kann keine volle Identität erlangen, da es immer abhängig vom Anderen ist. Es kann sich nur in Bezug auf die "symbolische Ordnung", also in Bezug auf die Welt, in die es hinein geboren wurde, reflektieren und damit definieren. Damit ist der/die/das Andere immer Kern jeder Subjektivität.
"Wahrheit" und "Wirklichkeit" kann sich nur innerhalb der Sprache konstituieren und befindet sich nicht außerhalb dieser. Mit der Betonung der Bedeutung von Sprache nach dem linguistic turn wird der Diskursbegriff ausgedehnt auf bedeutungsstiftende Handlungen und damit Wittgensteins Sprachspiel angenähert.
Im Gegensatz zu vielen Theorien im Poststrukturalismus, konzipiert Ernesto Laclau das Subjekt nicht als sich auflösend in der Struktur und rein durch Subjektpositionen bestimmt, sondern lässt das Subjekt im Moment seiner Entscheidung entstehen. Wenn die Struktur nicht völlig determiniert ist, muss es einen Moment geben, an dem das Subjekt eingreift, um diese zu schließen. Es supplementiert die Struktur mit seiner Entscheidung.
Bei einer poststrukturalistisch-diskursanalytischen Untersuchen stehen vor allem Narrative, Vokabulare und Identitäten im Mittelpunkt, die immer historisch, kontextuelle und relational aufgefasst werden.
EUropäische Identität (Promotion)
Existenz und Notwendigkeit einer kollektiven Identität in der Europäischen Union sind Thema einer Reihe von Studien zur Europäischen Integration. Auf Basis einer kritischen Gegenwartsanalyse, die den Verfall des gemeinschaftlichen Zusammenhalts konstatiert beschäftigen sich Europäische IntegrationstheoretikerInnen meist mit der legitimatorischen Notwendigkeit von Identifikation mit politischen Systemen. „Diversität“, „Individualisierung“ und „Fragmentierung“, so der Tenor, wirken dieser Identifikationsnotwendigkeit entgegen. Diese Dynamiken münden zudem in „Politikverdrossenheit“ und fehlende politische Partizipation der BürgerInnen. In der europäischen Integrationsgeschichte finden sich die genannten Schlagworte auch im vom Europäischen Parlament auserkorenen Motto repräsentiert: „in Vielfalt geeint“. Es legt Zeugnis über den Versuch ab, trotz Pluralität ein Gemeinschaftsgefühl zu erzeugen und darüber dem Entpolitisierungsprozess entgegenzutreten. Der Aspekt „Vielfalt“ scheint dabei weniger problematisch als die Behauptung der „Einigung“. Die gescheiterten Referenden zum Verfassungsvertrag in Frankreich und den Niederlanden 2005 bezeugen, dass immer noch äußerst divergente Vorstellungen darüber bestehen, wie dieses politische System zu definieren und was von ihm zu erwarten ist. In den Beurteilungen der momentanen Verfasstheit und der künftigen Entwicklung der Europäischen Union gehen die Vorstellungen also auseinander. Zugleich werden aber das Fehlen einer EUropäischen Identität oder, allgemeiner, das Verhältnis von nationaler und EUropäischer Identität in ähnlicher Weise als problematisch interpretiert.
Wie also mit dieser Problematik umgehen?
Psychoanalyse (Sigmund Freud, Jacques Lacan)
EUropäische Öffentlichkeit (Projekte an der Akademie der Wissenschaften)